Bounce Rate

Die Bounce Rate wird auf Deutsch auch als Absprungrate bezeichnet. Dabei handelt es sich um das Verhältnis von Besuchern einer Website, die mehr als eine Seite betrachten zu denjenigen, die nur eine Seite anschauen. Zusätzlich kann auch die Verweildauer zur Bestimmung herangezogen werden.

Die Bounce Rate als Bestandteil der Web-Analyse

Die Absprungrate ist für Webmaster und SEOs ein guter Indikator für den Erfolg einer Seite bzw. Unterseite eines Webprojekts. Auch im Bereich des SEA können die Bounces darüber Aufschluss geben, wie effizient Kampagnen mit Display- oder Textanzeigen sind. Auch beim E-Mail Marketing ist die Bounce Rate ein wichtiger Indikator für den Erfolg eines Mailings. Die Rückschlüsse aus der Analyse der Bounce Rate können verschiedener Art sein.

Im Suchmaschinenmarketing muss zum Beispiel oftmals die verweisende Quelle, also Text- oder Bildanzeigen, optimiert werden, damit die Suchanfrage zur Zielseite passt. Es kann aber ebenso erforderlich sein, die Landing Page anzupassen, damit Besucher genau das finden, was sie suchen.

Berechnung der Absprungrate

Die Absprungrate kann je nach Definition unterschiedlich berechnet werden. Die Absprungrate ist, vereinfacht gesehen, der Quotient aus der Gesamtzahl der Sitzungen, bei welchen die Seite x gleichzeitig auch Ausstiegsseite war sowie die Gesamtzahl der Sitzungen, bei welchen die Seite x die Einstiegsseite war. Die Absprungrate wird in Prozent angegeben und bezeichnet immer das Verhältnis von Einzelsitzungen zu den Gesamtsitzungen. Beispiel: An einem Tag erhielt die Seite x 100 Visits und die Besucher haben die Webseite von Seite x aus wieder verlassen. Am gleichen Tag war Seite x für 200 Visits die Einstiegsseite. Absprungrate = 100/200 = 0,5 = 50 Prozent. Die Absprungrate für Seite x würde an diesem Tag 50 Prozent betragen. In einer erweiterten Definition besteht die Absprungrate aus dem Prozentsatz an Sitzungen, bei welchen nur eine Interaktion stattgefunden hat, im Verhältnis zu allen Sitzungen auf der Webseite. Diese Definition beruht auf einem Artikel von Yehoshua Coren, einem bekannten Webanalysten. [1] Mit dieser Definition der Bounce Rate werden somit nicht nur Besuche berücksichtigt, sondern auch, dass der Nutzer mit der Seite interagieren kann. Die Bounce Rate kann somit auch durch folgende Faktoren minimiert werden:

  • Pageview hits: Diese Kennzahl bedeutet, dass ein Besucher lediglich die Seite gesehen, aber nicht mir ihr interagiert hat, zum Beispiel durch einen Klick oder Scrollen.
  • Event hits: In diesem Fall lässt sich die Bounce Rat um Events spezifizieren. Ein Event kann zum Beispiel der Klick auf eine Schaltfläche sein.
  • E-Commerce transaction hits: Dieser KPI berücksichtigt einen Kauf.
  • E-Commerce transaction item hits: Diese Kennzahl bezieht sich auf einzelne Artikel, die zum Beispiel in den Warenkorb gelegt werden.
  • Social Plugin hits: Dabei handelt es sich um die Nutzung von Plugins, mit deren Hilfe Nutzer zum Beispiel eine Seite über Facebook liken können.

Diese einzelnen Faktoren können zum Beispiel von Webanalytics-Tools wie Google Analytics in die Berechnung der Absprungrate mit einbezogen werden. Auf diese Weise wird die Absprungrate aussagekräftiger und kann sich deutlich von der Ausgangsdefinition unterscheiden.

Bounce Rate Grafik

Interpretation der Werte

Die Absprungraten sind von Branche zu Branche und von Themengebiet zu Themengebiet verschieden. Ab wann eine genauere Analyse der Gründe wegen einer zu hohen Absprungrate durchgeführt werden sollte, kann also nicht pauschal festgelegt werden. Über Benchmarks, d.h. Vergleichswerte aus einer ähnlichen Branche, lässt sich die Qualität der eigenen Bounce Rate oftmals annäherungsweise bestimmen.

Wichtig wäre im Rahmen einer Analyse auch die Differenzierung zwischen neuen Besuchern und bekannten Besuchern. Denn im Regelfall sollte die Absprungrate bei neuen Besuchern erwartungsgemäß höher ausfallen. Dies könnte z.B. auch ein Grund dafür sein, dass Besucher, die auf eine Anzeige geklickt haben, ebenfalls schneller abspringen, da ein Großteil von ihnen neue Besucher sind.

Eine weitere Möglichkeit, um die Bounce Rate zu präzisieren, besteht darin, die Lesetiefe sowie die Verweildauer eines Besuchers zu ermitteln. Denn letztlich kann die Absprungrate einer Webseite zwar hoch sein, die Inhalte wurden von den Nutzern umfassend konsumiert.

Diese Faktoren beeinflussen die Absprungrate

Es gibt viele verschiedene Faktoren, die Einfluss auf die Bounce Rate haben. Aus diesem Grund ist es nicht immer einfach, genau zu ermitteln, warum sich die Absprungrate erhöht.

  • Trafficquelle: Der Trafficlieferant sollte thematisch relevant zur Zielseite sein. Nur so finden Nutzer das, was sie durch Anklicken des Links erwarten.
  • Thematische oder funktionale Relevanz: Die Landingpage sollte dem Nutzer einen Mehrwert bieten und sein Nutzerbedürfnis befriedigen.
  • Technische Faktoren: Die Seitengeschwindigkeit, Servererreichbarkeit, der Grad der [Mobile Optimierung] oder die Funktionalität auf der Webseite beeinflussen, ob ein Nutzer bleibt oder die Seite wieder verlässt.
  • Viel organischer Traffic: Durch viele Treffer in den SERP wird zwar der organische Traffic erhöht, zugleich steigt analog dazu die Absprungrate.
  • Branded Traffic: Erfolgen viele Suchanfragen über die Eingabe des Markennamens, wird die Absprungrate voraussichtlich sinken.
  • Mobile Traffic: Mobile Besucher springen tendenziell schneller wieder von einer Webseite ab.
  • Webseitenstruktur: Wird eine Zielseite nur als Brückenseite zu anderen Unterseiten verwendet, ist die Bounce Rate erwartbar niedrig.

Mögliche Gründe für eine hohe Bounce Rate

  • es handelt sich um eine Einzelseite ohne Unterseiten: in diesem Fall kann das Analysetool natürlich keine weiteren Seitenaufrufe zählen. Reloads der Seite werden dann auch nicht berücksichtigt. Allerdings bietet dann die Analyse der Verweildauer die Möglichkeit zu sehen, ob die Besucher das gefunden haben, was sie suchten. Ggf. muss das Tracking angepasst werden, um die Interaktion der Besucher auf der Website zu analysieren (Tracking von Downloads etc.).
  • fehlerhafte Einbindung des Trackingcodes: jedes Webanalyse-Tool arbeitet mit einem sogenannten Trackingcode, der auf der zu analysierenden Seite in den Quellcode eingebaut werden muss. Fehler bei der Installation können dazu führen, dass die Absprungrate zu hoch gemessen wird.
  • schlechtes Seitendesign: es kann sein, dass die Besucher auf der betreffenden Seite nicht das finden, was sie suchen oder erst nach Scrollen die Inhalte entdecken, auf die sich ihre Suchanfrage bezogen hat. Eine Umgestaltung der Website kann hier die Absprungrate verringern.
  • schlechte Inhalte: wer eine Website nur optimiert, um damit gut zu ranken, arbeitet für eine hohe Absprungrate. Denn wenn der Besucher nicht ausreichend Informationen zu dem Thema findet, das er sucht, springt er sofort wieder ab.

Absprungrate vs. Ausstiegsrate

Oftmals wird die Absprungrate mit der Ausstiegsrate verwechselt. Doch dabei handelt es sich um zwei grundlegend verschiedene Parameter. Bei der Absprungrate wird gemessen, wie hoch der Prozentsatz der Besucher einer Unterseite ist, die die Seite verlassen, ohne weitere Seiten angesehen zu haben.

Bei der Ausstiegsrate wird eine ganze Session betrachtet. Die Ausstiegsrate einer Seite zeigt somit an, wie häufig sie die letzte Seite eines Besuchs war.

Return to SERP Rate

Im Zusammenhang zwischen der Bounce Rate wird häufig von der Return-to-SERP-Rate gesprochen. Dabei handelt es sich um die Anzahl der Besucher im Verhältnis zu den Seitenbesuchen, die nach dem Seitenbesuch wieder zu den Suchergebnissen zurückkehren. Diese Kennzahl lässt sich zwar nicht mit gängigen Analysetools messen. Dennoch spielt sie für Suchmaschinen eine wichtige Rolle. Denn letztlich zeigt sie Suchmaschinen an, ob der Nutzer auf der Zielseite das gefunden hat, was er wollte oder nicht. Theoretisch stehen für Suchmaschinen drei Interpretationsmöglichkeiten zur Auswahl:

  • Der Nutzer hat nicht das Gewünschte gefunden und sucht auf anderen Webseiten weiter danach.
  • Der Nutzer hat das Gewünschte nicht auf der Zielseite gefunden und präzisiert die Suche.
  • Der Nutzer sucht nach der Rückkehr in die SERPs nach etwas anderem.

In allen drei Fällen ist von einem negativen Nutzersignal auszugehen, das an eine Suchmaschine gesendet wird. In welchem Umfang die Return-to-SERP-Rate das Ranking einer Einzelseite in Bezug zu einer spezifischen Suchanfrage beeinflusst, ist jedoch nicht bekannt.

Bedeutung für SEO

Bei der Suchmaschinenoptimierung sowie auch bei der Webanalyse muss die Bounce Rate beobachtet werden, um Optimierungspotentiale zu erkennen. Klickt ein Besucher auf ein organisches Suchergebnis und springt sofort wieder zurück zur Suchmaschine, kann dies ein Signal für die Suchmaschine sein, dass die Qualität der Seite nicht den Nutzererwartungen entspricht. Es ist nicht bekannt, ob Google diese Metrik in die Bewertung einer Seite direkt einfließen lässt. Google empfiehlt jedoch, diese Messgröße zu beobachten, um schlecht konvertierende Inhalte zu identifizieren.

Die Bounce Rate gibt SEOs also wichtige Hinweise dazu, ob Design oder Content optimiert werden müssen, um Besucher zum Verbleiben auf der Website zu bewegen. Darüber hinaus hilft die Analyse der Absprungrate dabei, SEA-Kampagnen zu bewerten. Empfehlenswert ist jedoch, die Bounce Rate nie allein zu betrachten, sondern den KPI immer im Zusammenhang mit anderen Richtgrößen wie Verweildauer oder Trafficquelle zu analysieren.

Einzelnachweise

  1. Google Analytics Bounce Rate demystified analytics-ninja.com. Abgerufen am 06.11.2016

Weblinks