Domain Trust

Wer mit seiner Webseite weit oben in den SERPs rangieren will, muss neben vielen anderen Faktoren auch Autorität und Domain Trust, also Glaubwürdigkeit, seiner Webseite vorweisen. Als vertrauenswürdig bzw. mit hohem Domain Trust gilt eine Webseite für Google und andere Suchmaschinen dann, wenn sie reich an wertvollen, nützlichen Informationen für ihre User und frei von Spam oder unethischen Praktiken ist. Domain Trust kann auch durch eingehende Links oder das Domainalter erhöht werden. Insgesamt sind es viele verschiedene Aspekte, welche den Domain Trust beeinflussen können.

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Hintergrund

Lange Zeit wurde in SEO-Kreisen und im Web der Google PageRank als Beleg für einen hohen Domain Trust herangezogen. Anhand des Klassifizierungssystems von 0 bis 10 wurden zum Beispiel wichtige Regierungsseiten mit einem PR10 eingestuft, während neue Websites überlicherweise mit einem PR0 starteten. Jeder Webmaster konnte seinen PageRank unter anderem dadurch stärken, indem er Backlinks von Websites mit einem hohen PageRank erhielt. In der Praxis sagte das jedoch sehr wenig über den Domain Trust einer Website aus, da auch Seiten mit schwachen Inhalten durch Linktausch zu einem hohen PageRank kommen konnten. Folglich ist der Domain Trust heute nicht zu verwechseln mit dem PageRank.

Domain Trust selbst kann folglich als Zusammenspiel von vielen verschiedenen Faktoren bezeichnet werden, welche die Seriosität und Glaubwürdigkeit einer Website belegen können.

Eingehende Links

Im Gegensatz zur reinen Linkpopularität ist die Nähe zu anderen glaubwürdigen Webseiten ein ausschlaggebender Faktor für den Domain Trust: Backlinks müssen also aus vertrauenswürdiger Quelle stammen. Und es darf keine Verbindung zu Spam oder nicht vertrauenswürdigen Webseiten geben, die gegen die Qualitätsrichtlinien von Google verstoßen.

Die Grundannahme dahinter ist einfach: Spammer verlinken auf Spammer. Wenn also viele Links einer Webseite aus nicht vertrauenswürdigen Quellen kommen, hält Google auch diese Webseite für Spam. Hohe Glaubwürdigkeit hingegen erreicht man, wenn die Backlinks von Seiten stammen, die bereits hohe Glaubwürdigkeit genießen – Beispiele wären nytimes.com, zeit.de, Wikipedia, etablierte große Markenadressen oder auch offizielle Seiten von Berufsverbänden oder politischen Instanzen.

Auf diesen Seiten wird keinerlei Spam vermutet, und ein Link von dort kann dem eigenen Domain Trust helfen. Sollte die betreffende Webseite danach mit Spam attackiert werden, kann es ihrem Ranking wesentlich weniger schaden, als wenn keine glaubwürdigen Links vorhanden wären.

Ausgehende Links

Derselben Spam-zu-Spam-Theorie folgend darf man nicht selbst auf Spam-Seiten verlinken, um nicht an Glaubwürdigkeit zu verlieren. Falls es doch einmal nötig wird, eine nicht vertrauenswürdige Adresse auf der eigenen Webseite zu nennen, z. B. als Warnung vor Spam, sollte immer der Nofollow verwendet werden.

Registrationsinformationen

Google hat Zugang zu den Registrationsdaten von Webseiten und kann diese beim Ranking mit einbeziehen. Es ist für Google erkennbar, wie viele und welche Domains zu ein und derselben Registrieradresse gehören. Wenn ein Großteil der Domains, die unter derselben Adresse registriert sind, nicht vertrauenswürdig ist, wird der Domain Trust auch für die restlichen Domains herabgesetzt und umgekehrt. Dieses Vorgehen wird auch dafür verantwortlich gemacht, dass neu registrierte Domains, die noch unbekannt sind und deren Registrationsdaten keine Verbindung zu anderen glaubwürdigen Domains aufweisen, öfter die langwierigen Hürden der Google Sandbox nehmen müssen als solche, die etwa unter der Adresse großer Markenunternehmen wie Nike o. ä. registriert werden. Einfluss auf den Domain Trust kann auch die Länge der Regestrierung einer Website haben. Je länger eine Website registriert und auch projektiert ist, desto wahrscheinlicher ist es, dass es sich dabei um eine Seite mit seriösen Absichten handelt.

Userdaten

Suchmaschinen werten auch das Verhalten der User einer Webseite aus. Durch Google-Programme wie die Toolbar oder Google Analytics kann Google die Userdaten auf einer Webseite erkennen und bestimmte Verhaltensmuster der User ins Ranking einbeziehen. Userverhalten auf Spam-Seiten unterscheidet sich von dem Verhalten auf vertrauenswürdigen Webseiten. Einer möglichst natürlichen User-Aktivität wird ein höherer Domain Trust eingeräumt. Hierzu werden in der Regel eine hohe Verweildauer, sowie eine geringe Absprungrate gezählt.

Qualität des Contents

Die Qualität von Inhalten einer Website kann als Maßstab für ihre Glaubwürdigkeit gelten, Werden unformatierte Texte mit vielen Fehlern veröffentlicht, können diese Indizien für eine schlecht gepflegte Seite sein, die keinen hohen Trust verdienen sollten, Gleiches gilt für urheberrechtlich geschützte Inhalte, die ohne Verweis auf die Quelle verwendet werden oder kopierte Texte, die bereits auf anderen Website veröffentlicht wurden. Auch der Wahrheitsgehalt von Inhalten könnte für die Ermittlung des Domain Trust eine Rolle spielen. So können zum Beispiel Daten, die auf Websites verwendet werden, mit vertrauenswürdigen Quellen abgeglichen werden, um den Wahrheitsgehalt der Inhalte zu ermitteln. Google forscht an diesem Thema bereits. [1]

Angabe zum Seitenbetreiber

Laut Telemediengesetz muss eine gewerbliche Website über ein gültiges Impressum verfügen. Dort muss unter anderem der Verantwortliche für die Inhalte der Seite genannt werden und es muss eine schnelle Kontaktmöglichkeit vorhanden sein. Fehlt folglich das Impressum auf einer Website oder es besteht aus falschen Daten, kann dies ein Hinweis auf eine nicht-vertrauenswürdige Seite sein. Man darf davon ausgehen, dass Google und andere Suchmaschinen über Algorithmen verfügen, die auch nach erforderlichen Trust-Signalen aus dem Impressum suchen können. Denn grundsätzlich sollte eine kommerzielle Website mit seriöser Absicht nichts zu verbergen haben. Dies gilt auch für das Impressum in Bildform, wie es lange Zeit von Linktausch Websites verwendet wurde. Das Bild selbst ist für Crawler nicht lesbar und kann somit als negativer Aspekt in die Bewertung des Domain Trust einfließen. Möglich ist darüber hinaus auch, dass Google berücksichtigt, ob ein Seitenbetreiber in der öffentlichen Whois-Datenbank eingetragen ist.

Erwähnungen der Website im Web

Wird eine Website oder ein Markenname häufig im Web erwähnt, kann dies ein Hinweis auf eine hohe Popularität sein. In den Augen einer Suchmaschine aber auch in den Augen des Nutzers können dann viele Besucher ein Zeichen für die Vertrauenswürdigkeit der betreffenden Seite darstellen. Es folglich davon auszugehen, dass Google auch die Erwähnungen von Websites und Markennamen im Web mit in die Trust-Bewertung einbezieht. In diesem Zusammenhang mag es auch sinnvoll sein, seinen Domainnamen, der ja häufig auch der Markenname ist, als Marke registrieren zu lassen. Spätestens nach Googles Vince Update steht fest, dass starke Marken auch beim Ranking bevorzugt werden, weil sie schon durch ihre Beliebtheit einen hohen Trust genießen.

Verweise aus sozialen Netzwerken

Ob Social Signals auch rankingrelevant sind, wird in der SEO-Szene immer wieder diskutiert. Es wird aber davon ausgegangen, dass eine rege Erwähnung von Websites und Links aus Sozialen Netzwerken zu einem höheren Domain Trust führen kann.

Domain Trust in der Praxis

Für Webmaster und SEOs ist der Domain Trust ein wichtiger Faktor, um nicht nur die eigene Website einzustufen, sondern auch andere Websites zu evaluieren. Diese Analyse kann vor allem dann wichtig werden, wenn das Linkprofil einer Website überprüft wird. Sollten zum Beispiel viele Websites auf das eigene Projekt verlinken, deren Trust als gering eingestuft werden kann oder die sich nach einer Analyse als Spam-Seiten erweisen, besteht Handlungsbedarf. Die eingehenden Links sollten dann umgehend über das Disavow-Tool von Google entwertet und der Webmaster um Linkentfernung gebeten werden, um Schaden am eigenen Domain Trust zu verhindern.

Um Schäden an der Glaubwürdigkeit der eigenen Website zu vermeiden, sollte ein regelmäßiges Monitoring erfolgen. Durch die Verwendung der Google Search Console erhalten Webmaster Meldungen, wenn die eigene Website verdächtige Backlinks erhält oder sie vermutlich gehackt wurde. Für User selbst können einzelne Trust-Signale auch in der Praxis einen Hinweis darauf geben, ob eine Website vertrauenswürdig ist oder nicht. Vor allem im Online-Shopping erhält der Domain Trust noch eine zusätzliche Komponente, die Sicherheit. Hier können Signale wie eine sichere https-Verbindung oder seriöse Zahlarten, übersichtlicher und transparenter Warenkorbprozess die nötige Sicherheit liefern. Auch unabhängig ermittelte Nutzerbewertungen können vermutlich nicht nur beim Kunden für ein gutes Gefühl sorgen, sondern möglicherweise auch bei Google für eine Erhöhung des Domain Trust sorgen.

Einzelnachweise

  1. Google forscht an Ranking nach Webseiten-Wahrheitsgehalt heise.de Abgerufen am 21.08.2015


Weblinks