Quality Rater Guidelines

Die sogenannten Quality Rater Guidelines sind sehr umfangreiche Richtlinien in Form von Fragebögen für die manuelle Qualitätsprüfung von Websites, die der Suchmaschinenkonzern Google an „Search Quality Evaluators“ (kurz: Rater) genannte Mitarbeiter herausgibt. Anhand der Ergebnisse aus den Überprüfungen der Websites sollten die Suchergebnisse von Google besser werden. Üblicherweise sind diese Guidelines nicht für die Öffentlichkeit bestimmt. Doch gibt es immer wieder geleakte Versionen, die anonym ins Netz gestellt werden.

Hintergrund

Die Qualität der Google-Suche hat sich dank der Weiterentwicklung der Suchalgorithmen in den letzten Jahren stetig weiterentwickelt. Obwohl Suchmaschinenrobots Websites anhand von zahlreichen Algorithmen automatisiert hinsichtlich Linkstruktur, Aufbau, technischer Voraussetzungen oder Contents analysieren und bewerten können, setzt der Suchmaschinenkonzern bis heute auf die Arbeit von Menschen, um die Qualität von Internetseiten zu prüfen. Denn trotz aller ausgereiften technischen Möglichkeiten ist der Blick mit einem menschlichen Auge vielfach genauer und zielgerichteter.

Die Arbeit der Search Quality Evaluators ist jedoch nicht primär darauf ausgerichtet, vorhandene Websites zu prüfen, sondern die Effizienz bereits existierenden Algorithmen anhand der Suchergebnisse indirekt zu bewerten und mit Hilfe manueller Überprüfungen zu verbessern. Demnach liefert die Arbeit der Rater wichtige Daten für zukünftige Google Updates. Man könnte die Google-Mitarbeiter demnach auch „Suchalgorithmus-Überprüfer“ nennen. Laut Gerüchten arbeiten weltweit mehrere tausend Search Quality Evaluator für Google. Jeder Quality Rater wird zur Überprüfung der SERP in seiner Muttersprache eingesetzt.

Um die Arbeit der Rater zu vereinheitlichen und zu vereinfachen, erhalten diese ein umfassendes Dokument mit Kriterien zur Bewertung von Websites. Dieses Dokument sind die Quality Rater Guidelines. Der Inhalt dieser Richtlinien ist eigentlich dem internen Gebrauch vorbehalten. Im Jahr 2013 hat Google bis dato einmalig selbst seine Quality Rater Guidelines mit der Versionsnummer 1.0 veröffentlicht (Stand: Oktober 2014). Seither blieben die Richtlinien für Seitenbewerter geheim. Doch im Jahr 2014 wurde eine neue Version der Quality Rater Guidelines geleakt. Das Dokument kursierte in Windeseile im Netz.

Webmaster und SEOs konnten anhand der in den Guidelines formulierten Vorgaben Rückschlüsse auf die eigenen Optimierungen ziehen.

Die Quality Rater Guidelines bestehen aus zwei großen Bereichen, der Page Quality Rating Guideline und der Utility Rating Guideline.

Der Aufbau

Die zentrale Frage, die sich ein SQR (Search Quality Rater) stellen soll, ist die, ob die besuchte Seite vertrauenswürdig und hochwertig ist. Anhand dieser Basis werden schließlich einzelne Seitenelemente überprüft und die jeweilige Seite eingestuft.

Klassifizierung von Websites

Für die Bewertung einer Website stehen dem Rater fünf verschiedene Abstufungen zur Auswahl.

  • High Quality Pages erfüllen ihren Zweck und befriedigen die Nutzererwartung gut.
  • Highest Quality Pages erfüllen ihren Zweck und die Nutzererwartung in besonderem Maße.
  • Low Quality Pages erfüllen ihren Zweck gar nicht oder unzureichend und sorgen für ein unbefriedigendes Nutzererlebnis.
  • Lowest Quality Pages schaden dem User oder enttäuschen ihn. Sie sind nur darauf ausgelegt Geld zu verdienen, ohne dem User einen Nutzen zu verschaffen.
  • Medium Quality Pages machen in den Augen der Prüfer nichts falsch, sind aber auch nichts Besonderes.

Kriterien für die Bewertung von Websites

Um zu einer Einstufung einer Website zu gelangen, müssen Quality Rater diese anhand verschiedener Aspekte untersuchen. Diese Aspekte beruhen wiederum auf Teilbereichen.

Bewertung von Content

  • Main Content (MC): Dieser Bereich umfasst alle Content-Elemente, also Text, Bilder oder Videos, die dem eigentlichen Zweck oder der Aufgabe der Website dienen.
  • Supplementary Content (SC): Diese Inhalte sorgen für eine gute User Experience.
  • Werbung: Die Website soll anhand Ihres Verhältnisses von eigentlichem Zweck und der eingeblendeten Werbung eingestuft werden.

Bewertung von Navigation und rechtlichen Hinweisen

In den Quality Rater Guidelines werden die Prüfer darauf hingewiesen, auf den untersuchten Websites nach Impressum oder Angaben zu den Verantwortlichen zu suchen. Ebenso soll geprüft werden, wie einfach es ist, wieder zur Homepage zu gelangen oder einzelne Kategorien aufzurufen. Auch die Möglichkeit, Kontakt mit den Betreibern der Website aufzunehmen, fließt in die Bewertung mit ein.

Bewertung der Websitepflege und des Webdesigns

Dieser Analyseteil beantwortet die Frage, ob eine Website regelmäßig gepflegt wird. Hierzu zählen funktionierende Links, aktualisierter Content oder die Anpassung an neue Browser. Ebenso wird die Funktionalität des Webdesigns analysiert und bewertet.

Bewertung der Reputation der Seite

Dieser Teil bezieht sich weniger auf die Analyse der Seite selbst, sondern auf die Recherche nach externen und glaubwürdigen Bewertungen für die untersuchte Domain. Google gibt seinen Mitarbeitern an dieser Stelle viele Tipps, wie nach Hinweisen zur Reputation einer Internetseite gesucht werden kann und wie diese Quellen einzustufen sind.

Die Bewertungsskala

Jeder Einzelaspekt kann von einem Quality Rater mit einem Schieberegler bewertet werden. Die Spanne umfasst fünf verschiedene Bewertungsstufen, wobei Zwischenabstufungen möglich sind.

Die Bewertungsschritte sind: Lowest, Low, Medium, High, Highest

E-A-T

Ein wichtiges Element der Quality Rater Guidelines ist die E-A-T-Formel. Dabei handelt es sich um drei zentrale Bestandteile einer hochwertigen Internetseite. Diese zeichnet sich durch ihre Expertise (E), ihre Authority (A) und ihre Trustworthiness (T). Kurz, wer eine hochwertige Website betreibt, muss sich mit dem Thema seiner Seite sehr gut auskennen und dies vermitteln, sollte für sein Wissen geschätzt werden und muss vertrauensvolle Inhalte liefern.

Die Bewertung dieser einzelnen Bereiche hängt wiederum von der jeweiligen Branche der Website ab.

Bewertung der Utility einer Website

Im zweiten Teil der Guidelines wird auf die Bewertung der Utility einer Internetseite eingegangen. Hier liegt der Schwerpunkt darauf, die Intention des Users nachzuvollziehen und den Inhalt anhand der vermuteten Nutzerabsicht zu bewerten.

Unterteilt werden die Bewertungen in Bezug auf die sogenannten „Result Blocks“ in den SERP. Die Quality Rater geben hier ein Keyword in die Suchleiste ein und erhalten die Ergebnisliste. Anhand der gezeigten Snippets und dem angeklickten Link können sie anschließend bewerten, ob die Nutzererwartung erfüllt wird oder nicht.

Hierfür stehen fünf verschiedene Abstufungen zur Auswahl.

  • vital
  • useful
  • relevant
  • slightly relevant
  • off-topic oder useless

In einer separaten Sparte kann ein Rater markieren, ob es sich bei dem Linkziel um pornografische Inhalte oder Inhalte in einer anderen Sprache sowie unerreichbare Inhalte handelt. In einem weiteren Schritt kann auch getestet werden, wie gut die Suchergebnisse in Bezug auf lokale Suchanfragen sind.[1]

Nutzen für SEO

Wer die Inhalte der Quality Rater Guidelines kennt, kann diesen Vorteil für die Optimierung seiner Website nutzen. Jedoch sind viele Bereiche der Guidelines ohnehin schon „common sense“ bei der Websiteoptimierung. Demnach werden auch bei geleakten Versionen keine großen Geheimnisse verraten, auch wenn der Hype darum sehr groß sein mag.

Einzelnachweise

  1. Search Quality Evaluator Guidelines static.googleusercontent.com Abgerufen am 14.10.2014

Weblinks