Yandex

Yandex ist ein börsennotierter Internetkonzern und Suchmaschinenprovider aus Russland, der ähnlich wie Google, Yahoo oder Baidu neben seiner Websuche noch weitere Internetdienstleistungen anbietet. In Russland ist Yandex Marktführer. Damit bildet Russland wie China eine große Ausnahme auf dem Weltmarkt für Suchmaschinen, da Google dort nicht marktbeherrschend ist.

Geschichte

Die Suchmaschine Yandex.ru wurde im Jahre 1997 und damit ein Jahr vor Google gegründet. Verantwortlich für die Ausgestaltung der Websuche war der studierte Mathematiker Arkadi Wolosch, der seine Suchmaschinen auf die Besonderheiten der russischen Sprache ausrichtete. So gilt bis heute noch die Annahme, dass Yandex die Deklination oder die Verb-Konjugation im Russischen besser beherrscht als der russische Ableger von Google.

Der Start von Yandex fiel in eine Zeit, in der nur ein Bruchteil der russischen Bevölkerung das Internet nutzen konnte, weil die Infrastruktur dafür fehlte. Darüber hinaus gab es nur wenige Browser, die Erweiterungen für Kyrillisch boten. Heute ist Yandex mit einem Anteil von fast 70 Prozent am Suchmaschinenmarkt der Marktführer in Russland und beschäftigt mehr als 4.000 Mitarbeiter in Russland und weiteren Standorten weltweit. In der Ukraine, in Weißrussland, der Türkei und in Kasachstan hat Yandex länderspezifische Suchdienste. In den USA hat das Unternehmen ein eigenes Forschungszentrum im Silicon Valley eröffnet.

Zunächst gehörte Yandex zum russischen Unternehmen CompTek, bis aus der Suchmaschine im Jahr 2000 ein eigenes Unternehmen mit Sitz in Moskau wurde. In Russland betreibt Yandex heute den größten Server-Verbund und verfügt wie andere Suchmaschinenprovider auch über eigene Datenzentren. Seit 2011 ist Yandex an der New Yorker Börse notiert. Schon 2008 hat Yandex die Suchmaschinen Bing und Yahoo in Europa überholt.[1]

Interactive Search Snippets

Mit den interaktiven Search-Snippets können Webmaster ihre Seite zusätzlich aufwerten, indem Funktionsfelder mit Suchbezug eingebaut werden. Die Ergebnisse aus dieser vorkonfigurierten Suchmaske erhält die Website dann direkt von Yandex.[2] Das Design und das Interface dieser Suchmasken kann von angemeldeten Nutzern individuell an das Corporate Design der Website angepasst werden.

Produkte

Ähnlich wie bei Google ist das Produktportfolio bei Yandex sehr umfangreich. Neben der einfachen Websuche bietet das Unternehmen seinen Usern weitere Produkte an, wie einen Mailingdienst oder einen Kartendienst ähnlich wie Google Maps. Vor allem bei Dienstleistungen geht Yandex noch einen Schritt weiter und verfügt über ein eigenes Immobilienportal, einen eigenen Stellenmarkt sowie eine Taxivermittlung. Darüber hinaus betreibt Yandex ein eigenes soziales Netzwerk, das ähnlich angelegt ist wie Xing.

Yandex Island

Mit der Beta-Version Yandex Island bündelt die Suchmaschine Informationen aus der vertikalen Suche für seine Nutzer übersichtlich in einer eigenen Box. Das Verfahren ist dabei ähnlich wie die OneBox oder der Knowledge Graph bei Google. Sucht der Nutzer z.B. nach Flugverbindungen über die Suchleiste, erhält er passende Verbindungen sofort in einer eigenen Box. Webmaster können diese Box nun direkt als iframe in ihre Website integrieren und ihre Besucher mit relevanten Informationen versorgen.

Yandex Metrica

Yandex Metrica ist der Name des kostenlosen Webanalyse-Tools von Yandex. Seine Funktionen sind vergleichbar mit Google Analytics. Wer Yandex Metrica verwenden möchte, benötigt zunächst einen Account. Nach der Registrierung ist auch das Einloggen mit seinem Twitter-, Facebook- oder Google-Account möglich.

Tracking

Der Trackingcode trägt bei Yandex die Bezeichnung „Counter“. Damit Webmaster relevante Daten zu ihren Besuchern erhalten, muss der Counter auf allen zu trackenden Seiten installiert werden. Ebenso wie bei Google Analytics ist auch das Tracking auf Flash-basierten Webelementen möglich. Eine Besonderheit des Metrica-Counters besteht darin, dass Webseiten, auf welchen der Counter installiert wird, gleichzeitig für Yandex indexiert werden.

Darüber hinaus bietet Yandex seinen Counter auch als Plugin-Statistiktool an, das auf der Webseite eingebunden werden kann und aktuelle Zugriffszahlen auf Seiten im Frontend anzeigt, ähnlich wie das Statistik-Tool von Alexa.[3]

Funktionen

Yandex Metrica bietet gängige Informationen zu Besuchern auf der Webseite, die der Nutzer über ein Dashboard abrufen kann. User können standardmäßig nach demographischen oder geographischen Merkmalen segmentiert werden. Als Standard ist ebenfalls die Analyseebene „Interessen“ verfügbar.

Zu den Besonderheiten bei Yandex Metrica gehört die sogenannte „Scroll-Map“, die das Userverhalten auf der Webseite beim Scrollen visualisiert. Auch die sogenannte „Link Map“ ist ein nützliches Analysetool. In einer Übersicht wird visualisiert, welche Links ein User auf einer Unterseite klickt. Sehr umfangreich ist auch die Anzeige von Informationen zu eingehenden Links, die über den Menüpunkt „Content“ abrufbar ist. In der gleichen Rubrik können außerdem Statistiken zu Downloads auf der Webseite analysiert werden.

Eine spezifische Analysefunktion für Yandex Metrica ist die Möglichkeit, die Userherkunft über die Yandex Islands zu analysieren.

Für Reports stehen dem User vielfache Möglichkeiten offen, ähnlich wie bei Google Analytics.

Datenschutz und Kritik

Yandex Metrica wird häufiger bezüglich des Datenschutzes kritisiert. Vor allem die Funktion „Web Visor“ steht dabei im Mittelpunkt.[4] Denn damit kann das Tool alle Daten und Handlungen auslesen, die der User auf der Seite durchführt. Dadurch lassen sich Nutzer eindeutig zuordnen. Dies widerspricht geltenden Datenschutzbestimmungen in Deutschland.

Wie alle anderen Webtracking-Tools speichert auch Yandex die Analysedaten auf eigenen Servern. Deshalb sollten Webmaster vor der Verwendung von Yandex Metrica die Datenschutzbestimmungen genau lesen.[5]

Yandex vs. Google

Das Geschäftsmodell von Yandex ähnelt dem von Google. Denn die Haupteinnahmequelle des russischen Konzerns sind ebenfalls textbasierte Suchanzeigen, die Werbekunden über ein eigenes Portal buchen können. Mit einem ähnlichen System wie Google AdSense können Webmaster auf ihren Internetseiten Platz für Werbeeinblendungen über das Yandex-Netzwerk anbieten. Ähnlich wie Google integriert Yandex Suchergebnisse aus seinen vertikalen Suchmaschinen in die organischen Suchergebnisse. Darüber hinaus bietet das Unternehmen seinen Usern einen eigenen Browser.

Der große Unterschied zu Google besteht bei Yandex darin, dass das Geschäftsfeld stark auf Russland und die angrenzenden Ländern ausgerichtet ist, während Google weitaus internationaler agiert. Allerdings ist Yandex eine der wenigen Suchmaschinen, die dem Google-Konzern in einigen Ländern hinsichtlich der Marktmacht ernsthafte Konkurrenz bieten kann.

Auf diese Weise ist Yandex ein interessantes Phänomen, das sich in Zukunft zu beobachten lohnt.

Yandex und SEO

Wer Dienstleistungen online für den russischen Markt und den Kaukasus anbieten möchte, kommt nicht umhin, sich als SEO mit der Suchmaschine Yandex zu beschäftigen. Gleiches gilt auch für den Bereich des SEA, wenn die eben erwähnten Zielregionen betroffen sind.

Interessant für SEOs wurde Yandex zudem im Dezember 2013, als der Konzern ein Statement abgab, in welchem er ankündigte, im Jahr 2014 für einen gewissen Zeitraum auf Backlinks als Bewertungskriterien für das Ranking von Websites verzichten zu wollen.[6]

In einem Interview aus dem August 2014 mit Marcus Tandler hat der Head of Websearch von Yandex, Alexander Sadovsky, bestätigt, das Yandex in manchen Bereichen ganz ohne Backlinks als Rankingfaktoren arbeiten wolle.[7] Betroffen sind in einem ersten Schritt vor allem kommerzielle Suchanfragen. Diese Vorgehensweise ist nachvollziehbar und fast schon aus der Not geboren, da der russische Suchmarkt in den letzten Jahren massiv von Webspam betroffen war und es bis dato noch ist.

Bedingt durch diese Maßnahme zählen letztlich Onpage-Faktoren sowie Nutzersignale noch stärker als Rankingsignal, das Yandex bereits 2011 vorgestellt hatte. Damit kann die russische Suchmaschine als eine Art innovativer Vorreiter bei der Bekämpfung von Webspam und zukünftiger Bewertungsmöglichkeiten für Websites gesehen werden. Ähnlich geht zwar auch Google vor allem nach den Algorithmus-Updates Penguin und Panda vor, jedoch gibt man sich bei Google meist bedeckter, wenn es um Rankingfaktoren geht. Und dass eine Suchmaschine zumindest in Teilbereichen ganz auf die Auswertung von Backlinks verzichtet, ist neu.

Als eindeutiger Schritt hin zur Aufwertung von Onpage-Rankingfaktoren kann auch Yandex‘ Webanalysetool „Metrica“ gesehen werden. Denn damit werden Usersignale wie CTR oder Bounce Rate noch präziser analysierbar.

Dass Yandex in der Lage ist, den Suchmaschinenmarkt innovativ zu gestalten, hat das Unternehmen auch mit seinem Produkt „Yandex Islands“ unter Beweis gestellt. Für die Zukunft bleibt Yandex nicht nur damit ein interessantes Beispiel dafür, dass das in Westeuropa und Nordamerika schier übermächtige Google nicht überall führend ist und dass auch andere Unternehmen in der Lage sind, neue Trends zu setzen und für Neuerungen zu sorgen.

Man darf davon ausgehen, dass Yandex in den nächsten Jahren verstärkt daran arbeiten wird, die Bedeutung von Backlinks als Rankingfaktoren weiter einzudämmen, um Manipulationen des Suchmaschinenindex vorzubeugen. Für welche Scoops das Unternehmen dabei noch sorgen wird, wenn es seine über 800 Rankingkriterien erweitert, bleibt offen.

Einzelnachweise

  1. Pressemitteilungen zum Suchmaschinenmarkt 2008 in Europa. Comscore. Abgerufen am 08.12.2013.
  2. Interactive Search Snippets. Yandex. Abgerufen am 08.12.2013.
  3. Yandex Metrica WordPress-Plugin wordpress.org Abgerufen am 25.11.2014
  4. Web Visor metrica.yandex.com Abgerufen am 25.11.2014
  5. Nutzeranalyse mit Yandex Metrica seo-kueche.de Abgerufen am 25.11.2014
  6. Links are Dead! According to Yandex, which will launch a new algorithm in 2014. Notprovided.eu. Abgerufen am 08.12.2013.
  7. Ranking ohne Links: Interview mit Yandex Head of Web Search Alexander Sadovsky de.onpage.org. Abgerufen am 21.10.2014

Weblinks